Wissenschaftlicher Kongress am Samstag, 15. Oktober 2016 in Köln

Thomas Hartung

Thomas Hartung, MD, PhD, Professor für Pharmakologie und Toxikologie an der Universität Konstanz, Director CAAT US and Europe, Professor of Evidence Based Toxicology at the Johns Hopkins University Bloomberg School of Public Health, Baltimore, USA

Der Mensch ist keine 70 kg-Ratte. Zur Frage der Validität von Tierversuchen in der Toxikologie

Deutsche Zusammenfassung

Bei den immer mehr konsumierten EZigaretten, die es in zahlreichen unterschiedlichen Geschmacksrichtungen, wie „Käsekuchen“, gibt, ist unklar, ob das Einatmen genauso harmlos ist wie der Verzehr. Denn die elektronischen Zigaretten enthalten großteils Diacetyl, das auch bei der Herstellung von Popcorn freigesetzt wird und beim Einatmen die Lunge schädigt. Bei Mäusen und Ratten verursacht bereits normaler Zigarettenrauch, anders als bei Menschen, keinen Krebs. Tierversuchsfreie Tests werden also dringend benötigt und grundlegend gilt es zu verstehen, dass wir Tierversuche ersetzen müssen. Denn: Wir sind keine 70kg-Ratten und treffen aufgrund von Tierversuchen oft falsche Entscheidungen.
 
Entsprechend problematisch ist die Bewertung der Verbrauchersicherheit. Bei Kaffee etwa zeigte sich für 23 von 31 getesteten Inhaltsstoffen bei Tieren eine krebserregende Wirkung. Beim Menschen hingegen konnte für den Konsum von Kaffee eine Verminderung der Leberkrebswahrscheinlichkeit belegt werden. In einer großangelegten Studie zur krebserregenden Wirkung wurden 37 Substanzen in männlichen und weiblichen Mäusen und Ratten getestet und mit vorhandenen Langzeitdaten verglichen. Die Ergebnisse waren weder zwischen den beiden Geschlechtern übereinstimmend, noch im Vergleich mit Daten aus Tierversuchen zur wiederholten Verabreichung der Substanz.
 
Hartung stellte außerdem das von ihm und seinem Team entwickelte Minigehirn aus induzierten pluripotenten Stammzellen vor, das besonders gut reproduzierbar ist.