Wissenschaftlicher Kongress am Samstag, 27. Oktober 2018 in Köln

Prof. Dr. Markus Keller

Prof. Dr. oec. troph. Markus Keller PhD, Ernährungswissenschaftler, Gründer des Instituts für alternative und nachhaltige Ernährung IFANE, Gießen, Leiter des Studiengangs Vegan Food Management an der Fachhochschule des Mittelstands (FHM), Köln

Prof. Dr. Markus Keller

Prof. Dr. oec. troph. Markus Keller ist Ernährungswissenschaftler sowie Gründer des IFANE (Institut für alternative und nachhaltige Ernährung) in Gießen. Seit 2016 leitet er als verantwortlicher Hochschullehrer den BA-Studiengang Vegan Food Management an der Fachhochschule des Mittelstands (FHM). Forschungsschwerpunkte: Gesundheitliche und ökologische Aspekte vegetarischer und veganer Ernährung. Zusammen mit Prof. Dr. Claus Leitzmann Autor des Standardlehrbuchs für den deutschsprachigen Raum „Vegetarische Ernährung“ (Ulmer 2013). Außerdem „Vegane Ernährung. Schwangerschaft, Stillzeit und Beikost“ (mit Edith Gätjen; Ulmer 2017). Im Jahr 2018 wurde er von der FHM zum weltweit ersten Professor für Vegane Ernährung berufen.

Brainfood statt Demenz? Chancen und Grenzen der Ernährung

Abstract

Der Einfluss der Ernährung in Prävention und Therapie neurodegenerativer Erkrankungen ist bisher nur ansatzweise erforscht. Studien zeigen jedoch zunehmend, dass pflanzenbasierte bzw. mediterrane Ernährungsmuster mit einem verringerten Risiko für Demenz bzw. einer verbesserten kognitiven Funktion assoziiert sind. Mediterrane Ernährung ist durch einen höheren Verzehr von Gemüse, Obst, Vollkorngetreide, Hülsenfrüchten, Nüssen, Samen und Olivenöl sowie von Fisch gekennzeichnet. Umgekehrt ist der Konsum von rotem und verarbeitetem Fleisch, Milchprodukten und Convenience Food deutlich reduziert.
Auf Nährstoffebene führen mediterrane bzw. pflanzenbasierte Verzehrsmuster zu einer höheren Zufuhr von Antioxidantien (wie Beta-Carotin, Vitamin C und E, Polyphenole, weitere sekundäre Pflanzenstoffe), Folat, einfach ungesättigten Fettsäuren sowie Omega-3-Fettsäuren. Diese Inhaltsstoffe können über verschiedene biochemische Stoffwechselwege die Gehirngesundheit günstig beeinflussen sowie die Pathogenese kognitiver Störungen hemmen bzw. verzögern. Auch die Vitamine B12 und B6 sowie möglicherweise weitere B-Vitamine, Vitamin D, Mineralstoffe wie Zink, Selen und Eisen sowie einzelne Aminosäuren spielen hier eine Rolle.
Kohortenstudien zeigen, dass Alzheimerpatienten signifikant niedrigere Plasmaspiegel an Vitamin C, D, Folat, E und Vitamin B12 aufweisen als nicht erkrankte Kontrollgruppen. Ebenso gilt ein erhöhter Homocysteinspiegel, der auf eine niedrige Versorgung mit den Vitaminen B6, B12 und Folat zurückzuführen ist, als unabhängiger Risikofaktor für Demenzerkrankungen. Auch die erhöhte Zufuhr von gesättigten Fettsäuren und trans-Fettsäuren erhöht offenbar das Demenzrisiko.
Umgekehrt ist in Meta-Analysen eine höhere Zufuhr von bzw. Versorgung mit ungesättigten Fettsäuren, Vitamin E sowie Vitamin B6, B12 und Folat mit einem, meist jedoch nur geringfügig, reduziertem Risiko für Demenzerkrankungen assoziiert.
Die wenigen Studien zum Demenzrisiko von Vegetariern und Veganern zeigen bisher widersprüchliche Ergebnisse. Während in der Adventist Health Study die Vegetarier ein deutlich geringeres Risiko als die Nicht-Vegetarier aufwiesen, hatten die Vegetarier der Oxford Vegetarian Study eine signifikant höhere Sterblichkeitsrate an psychiatrischen und neurologischen Erkrankungen als Nicht-Vegetarier.
Auch wenn bestimmte pflanzenbasierte Verzehrsmuster wie die mediterrane Ernährung mit einer verbesserten kognitiven Funktion und einem verringerten Erkrankungsrisiko für Demenz assoziiert und mögliche „key nutrients“ für diese Beobachtungen identifiziert sind, besteht hier weiter erheblicher Forschungsbedarf.